Blaudruck anziehend schön

Das Jahr 2020 ist auch für kleine Kunsthandwerker und Modelabels eine besondere wirtschaftliche Herausforderung, denn wichtige Vertriebskanäle wie Messen und Märkte fanden und finden nicht statt. Daher möchte ich diesen Beitrag nutzen, um Ihnen ein solches Modelabel aus Dresden vorzustellen. Katja Fietz interpretiert das traditionelle Handwerk des Blaudrucks neu und mischt altbekannte Muster mit frischem Design. So entsteht einzigartige Kleidung für Frauen UND für Männer die das Leben schöner macht. Und gerade in diesen Zeiten brauchen wir die schönen Dinge des Lebens mehr denn je. 

Lernen Sie Katja Fietz in diesem Beitrag etwas genauer kennen und besuchen Sie die Designerin auf ihrer Webseite oder nach Rücksprache im Atelier. 


STECKBRIEF

Name: Katja Fietz | Beruf: Modedesignerin | Name des Labels: WOMBLU | Anschrift: Dresden, Atelieradresse: Lingnerallee 3, 01069 Dresden

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INTERVIEW

Mit welchen Produkten wird die Welt noch schöner?

Ich verschönere die Welt, indem ich einem alten Handwerk neues Leben einhauche. Ich gestalte Mode aus und mit traditionellem Blaudruck. Dieser ist ja eher bekannt für Heimtextilien. Aber ich mache moderne Mode für Damen UND Herren daraus. Es ist mein Anliegen, diese wunderbare Technik wieder bekannter zu machen. Ich möchte zeigen, dass der traditionelle Blaudruck für weit mehr stehen kann als Haus-und Tischwäsche und Mode aus Blaudruck schön, modern und zeitlos ist.

Wie kamen Sie zu diesem Handwerk?  

Eigentlich durch einen Zufall. Als sich der Studienabschluss näherte und ich nach einem Thema für meine Abschlusskollektion suchte, sprach mich eine Dozentin an, ob ich nicht Lust hätte, mich mit Blaudruck zu beschäftigen. Sie kommt aus der Nähe von Kamenz und es war ihr auch ein persönliches Anliegen. Da sie auch wusste, dass ich mich für historische Handwerke interessiere, fiel ihre Frage auf sehr fruchtbaren Boden. Und diese anfängliche Begeisterung hat mich nie mehr verlassen. Es war danach schnell klar, wenn ich ein Label gründe, wird es sich rund um Blaudruck drehen.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß?

Ich bin von Beginn an bei der Entstehung eines neuen Kleidungsstückes dabei. Ich drucke und färbe die von mir verwendeten Blaudruckstoffe selbst, überlege mir das Design, konstruiere selbst die Schnitte, schneide zu und nähe selbst. Jeder Schritt ist einzigartig, hat seine Tücken und Freuden. Es ist etwas wunderbares, ein Kleidungsstück unter seinen Händen entstehen zu lassen. Ich finde es schön, dass meine Arbeit so viel Abwechslung mit sich bringt.

Was schätzen Ihre Kunden besonders an Ihren Produkten?  

Ich denke, es ist das Andersartige. Meine Mode hebt sich vom Mainstream in den Läden ab, ohne so außergewöhnlich zu sein, dass die Kunden keinen Anlass zum Anziehen finden. Ich möchte Kleidung für den Alltag machen, gerne auch für den „besonderen Alltag“, Kleidung in der sich jeder Mensch wohl und zugleich besonders fühlen kann. Und das es von Anfang an handgemacht ist, begeistert die Leute dann meist noch mehr.

Wo haben Sie das Handwerk gelernt?  

Tja, tatsächlich gelernt habe ich es in diesem Sinne nicht. Im ersten Leben bin ich Krankenschwester. Habe aber schon immer gern genäht und viel Freude am Experimentieren gehabt. Das kam mir im Modedesign-Studium sehr entgegen. Und den Blaudruck habe ich von Frau Reppe gelernt. Sie betreibt die Blaudruck-Manufaktur in Pulsnitz, wo ich all meine Stoffe herstelle. Alles was ich über das praktische Drucken und Färben weiß, weiß ich von ihr! Es ist eine ganz wunderbare Zusammenarbeit.

Kann man Sie in Ihrem Atelier besuchen?

Gern kann man mich in meinem Atelier in Dresden, ganz zentral, nahe des Pirnaischen Platzes besuchen. Allerdings wäre eine Anmeldung vorher gut, da ich keine festen Atelierzeiten habe.

Wo kann man Ihre Mode kaufen?

Aktuell kann man meine Mode entweder direkt bei mir im Atelier kaufen oder auf Designmessen und Kunsthandwerkermärkten, die hoffentlich nächstes Jahr wieder stattfinden! Auch über das Kontaktformular auf meiner Webseite kann man sich bei mir melden und etwas bestellen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich für Ihr Handwerk wünschen?

Der größte Wunsch ist sicherlich, dass es nicht stirbt. Seit 2018 gehört Blaudruck zum Immateriellen Weltkulturerbe, was eine große Anerkennung ist. Aber das löst leider noch nicht das Problem des Nachwuchses. In Deutschland gibt es aktuell noch 9 Blaudruckwerkstätten und fast allen fehlt es an Nachwuchshandwerkern. Auch Cordula Reppe aus Pulsnitz sucht nach jemandem der die Werkstatt weiter betreibt, wenn sie in Rente geht. Es ist eben ein aufwendiges und teils anstrengendes Handwerk. Aber mit meinen Erfahrungen kann ich sagen, es ist auch ein tolles Handwerk!